Mehr über mich
Aller Anfang ist…..lang
Bevor Sie, geneigter Interessent an meinem Leben, die folgenden Zeilen lesen, seien Sie gewarnt: das dauert lange! Als Autor konnte ich es mir nicht nehmen lassen, den ersten Teil meiner Autobiografie gleich jetzt zu verfassen, man wird ja nicht jünger. Sollten Sie alles haben, aber keine Zeit, empfehle ich die Lektüre meines XING Lebenslaufes. Allen anderen Wünsche ich viel Vergnügen!
Ich wurde am 20.03.1973 in Wanne-Eickel – jetzt Herne – geboren. So steht es in meinem Ausweis. Einigen “Zwangs-Hernern” würde dieser Eintrag alles bedeuten, mir ist er egal. Früher wohnte ich in “Herne 2″, dem ehemaligen Wanne-Eickel, nun wohne ich in Herne. Geändert hat sich nichts, noch nicht einmal die Vorwahl. Und neue Postleitzahlen gab es ohnehin. Doch zurück zu mir. Die Kindheit verlief wie wohl bei jedem Kind. Bis auf eine Tatsache: Mein Vater wollte gerne eine Orgel. Er hat als Kind Akkordeon gespielt und hat schon immer von einer Orgel geträumt. Was lag da näher, als dem Kind eine Orgel zu kaufen? So ist es ja immer: Der Vater möchte eine elektrische Eisenbahn, das Kind bekommt sie zu Weihnachten. Kurz nach meiner Erstkommunion war es so weit. In einem Musikgeschäft in Gelsenkirchen kauften wir meine/seine erste Orgel – eine Eminent Solina. Liebhaber werden diese Orgeln noch kennen. Vier Fußlagen und einige Naturklänge, die diesen Namen wohl eher nicht verdienen, rechts, zwei Fußlagen links und ein analoges Rhythmusgerät. Ach so, das Bass-Pedal darf ich nicht vergessen! Natürlich hatte ich auch Orgelunterricht beim, wie ich meine, besten Lehrer der Welt. Zunächst Gruppenunterricht, später beim gleichen Lehrer Einzelunterricht, nachdem dieser sich selbstständig gemacht hat. Neben der angesagten Orgelschule “Schule für electronische Heimorgeln” aus dem Hause Sikorski (sie wird heute noch verkauft) durfte ich zu meiner Begeisterung stets aktuelle Pop-Songs spielen, die mein Lehrer selbst transkribiert hat. Außerdem später die tollen Hammond Hits von Klaus Wunderlich sowie von Wersi-Organist Franz Lambert. Mit dem Einzug der Heimkeyboards in die Musikgeschäfte wurde leider die E-Orgel zum Auslaufmodell und so spielte ich auch als Ergänzung ein Keyboard. Das klang schon etwas moderner. Das erste Keyboard war ein uraltes Yamaha Portatone. Ein rechteckiger Kasten. Aus der Eminent Orgel wurde in der Zwischenzeit eine “transportable” Böhm Orgel, die wir später sogar midifiziert haben. So habe ich bereits als 13-jähriger mit dieser Orgel erste “Jobs” als Alleinunterhalter bestritten, das Keyboard oben drauf (sah professioneller aus!). Vom erspielten Geld kaufte ich dann noch einen voll programmierbaren Roland TR505 Drum Computer, der die analogen Rhythmen der Böhm ersetzte. Alles angeschlossen an einen alten Böhm-Verstärker und eine überdimensionale Böhm-Box (sah aber professionell aus!). Ein Jahr später spielte ich an einem Samstag Nachmittag im Gemeindesaal meiner damaligen Kirchengemeinde. Mittlerweile war ich 14 Jahre alt. Dabei hatte ich nur das Yamaha Keyboard. Es hatte ein Hawai Gitarren Preset. Mit diesem ließ sich wunderbar das Gitarrensolo des aktuellen Top Hits “The Final Countdown” von Europe imitieren. Diesen Song hatte ich mir gerade selbst beigebracht. Wie es der Zufall so wollte, hatte am gleichen Tag abends eine Band einen Karnevalsauftritt in diesem Gemeindesaal und während ich spielte, kam der Gitarrist herein, um noch einige Sachen zu verkabeln und hörte mir zu. Wenige Minuten später stand ich hinter einer “Keyboard-Burg” (so kommen einem 14-jährigen zwei Synths auf einem Doppelstativ vor) und spielte mit ihm zusammen “The Final Countdown”. Einen Monat später war ich Keyboarder der Tanzband Cabrio, der Rest ist Geschichte.
Was dann geschah
So kam es, dass mein Vater Roadie der Band wurde und ich 14-jähriger Großverdiener (so kommt einem 14-jährigen Schüler die Gage vor). Die erste Gage wurde in einen Synth (Casio CZ1) investiert, dann in einen Kawai K1, dann in einen Kawai Q80 Sequencer, ein MIDI Interface für meinen geliebten Commodore C64. Mit 15 wurde ich durch einen Zufall auch noch zusätzlich Gitarrist der Band, nachdem mir wieder einmal nicht einleuchtete, warum ich das Gitarrensolo von “Ibiza” (Ibo) auf dem Keyboard spielen sollte. Der Satz bei der Probe “Zeig mal Deine Gitarre, das kann doch nicht so schwer sein.” war verhängnisvoll, denn die folgende Gage wurde investiert in eine E-Gitarre samt Verstärker, einen Boss HM2 Bodentreter. Mit 16 Jahren schließlich wollten wir einige Demos aufnehmen. Mit dem geliehenen 4-Spur System kannte sich keiner aus. Also habe ich einige Zeit im Proberaum verbracht und anschließend erneut investiert: ein Mischpult, Effektgeräte, ein Roland D110 Rack Synth….kurz: Sparen? Wozu?
Ein Klavier, ein Klavier!
Die Tontechnik hat mich schließlich nicht mehr losgelassen. Das Philips Tonbandgerät meines Vaters wurde zum Mehrspurrekorder im Ping-Pong Overdub Verfahren und zum Bandecho. Später kam dann erst ein 4-Spur Recorder von Fostex, ein 8-Spur Recorder von Tascam, eine gute alte Fostex R8 Bandmaschine und dann erst ein sündhaft teurer Alesis ADAT und später ein zweiter (für 16 Spuren) hinzu. Alles synchronisiert zu einem Atari ST mit Cubase. Neues Berufsziel: Toningenieur. Doch oh Schreck (für meine Eltern): Man muss Klavier spielen können. So begab es sich zu der Zeit, dass ich mit 16 Jahren bei meinem Lehrer von der Orgel zum Klavier wechselte und meine Eltern weiterhin ihr Geschirr in der alten Küchenzeile lagern mussten. Einer muss ja Opfer bringen. Dafür habe ich immer fleißig geübt und in kürzester Zeit so viele Fortschritte gemacht, dass tatsächlich später einmal die Aufnahmeprüfung bestanden werden sollte. Doch halt, da sind wir ja noch nicht.
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn
Nach dem Abitur folgte dann erst einmal der Zivildienst, der mich irgendwie zur dunklen Seite der Macht gezogen hat. Plötzlich wollte ich Sozialarbeiter werden. Eingeschrieben an der FH studierte ich fleißig, machte meine Scheine und Abschlussprüfungen mit Bestnoten und sah einige Wochen vor dem Diplom endlich ein, dass es doch besser Tontechnik sein sollte. Doch noch einmal so viele Semester studieren? Das muss auch anders gehen. Zusammen mit meiner Freundin (und jetzigen Ehefrau) fuhr ich also zum Tag der offenen Tür der School of Audio Engineering (SAE) in Köln. Einen halben Tag später eröffnete ich meinen Eltern, dass ich die Sozialarbeit an den Nagel hänge und gegen Knöpfe und Regler am Mischpult eintausche. Ach so, das kostet aber eine Kleinigkeit monatlich und ich fahre jeden Tag mit dem Auto von Herne nach Köln und zurück. Dass ich noch lebe, habe ich sicher nur der Tatsache zu verdanken, dass meine Freundin dort ebenfalls studieren wollte (Multimedia Producer Diploma) und ich hoch und heilig versprochen habe, die Sprit-Kosten zu teilen und selbst zu tragen.
Gestatten, Dipl. Audio Engineer (SAE)
Die Aufnahmeprüfung an der SAE war schnell bestanden und das Studium konnte losgehen. Da man an der SAE ja nicht mit PCs, sondern (professioneller) mit Apple Macintosh Rechnern gearbeitet hat, musste natürlich so ein Computer her. Mama und Papa wurden damit überzeugt, dass ich ja dann nicht jeden Tag nach Köln fahren müsse und meine Übungen fleißig von zuhause aus machen kann. Wer sich mit den Apple Preisen der 90er Jahre auskennt, weiß, dass man für diesen Preis mindestens vier PCs hätte kaufen können. Doch kurze Zeit später gehörte mir ein Apple PowerPC 4400 mit Digidesign Audiomedia III Karte, Sounddesigner II und Emagic Logic Silver. Von der Beschallungsanlage von HK Audio (LP-Serie) im Keller, dem Mackie Mischer, Monitorboxen und Mikrofonen, diversen Gitarren und Keyboards reden wir besser nicht. 18 Monate später war ich dafür im Besitz eines Audio Engineer Diploma und durfte mich nun Dipl. Audio Engineer (SAE) nennen. Das erzählte ich auch der Dame am Arbeitsamt, die mich aber nur verständnislos anschaute. Diese Berufsbezeichnung gab es in ihrem Computer nicht. Gut, sagte ich: Tontechniker. Dass kurze Zeit später Stellenangebote für Angehörige der Ton verarbeitenden Industrie (man nennt es auch töpfern) bei mir eingingen, war selbstverständlich. Das gerade aus der Mailbox mutierte Internet mit Netscape Browser Version 0.1b ermöglichte mir aber immerhin, selbst auf Jobsuche zu gehen, denn wer macht sich schon gerne die Hände schmutzig, wenn man doch mit den Ohren arbeiten will? Fündig wurde ich tatsächlich bei einer Ohren-Firma: Behringer Spezielle Studiotechnik GmbH in Willich. Fahrtweg pro Strecke: 89km. Aber halb so schlimm, wenn man seine Freundin, mit der man eh zusammenziehen will, dort auch unterbringen kann. Also haben wir uns beworben und konnten wenig später dort zur Probe arbeiten und schließlich Mitglied der Behringer Family werden.
Mama, ich werde Lehrer!
Die Behringer Family war wirklich sehr nett, aber irgendwie musste doch ein Job her, der das Schlafkontingent nicht ganz so arg strapaziert. Also wurden nach knapp zwei Jahren erneut Bewerbungen geschrieben und fix neue Anstellungen in Heimatnähe (von Wanne-Eickel, jetzt Herne) gefunden. Leider meinte es die New Economy nicht so gut mit uns und ein halbes Jahr später war ich verheiratet und erst einmal arbeitslos. Tontechniker benötigte kein Mensch mehr (Hyper, Hyper konnte schließlich jeder mit einem Billig-PC aufnehmen) und außer einigen Live-Jobs war nichts zu machen. Doch eine Anzeige der Landesregierung von NRW brachte mich auf die rettende Idee! Lehrer werden gebraucht – und zwar in dem “Mangelfach” Musik! Das kann ich, sagte ich mir. Doch wie sage ich es meinen Eltern (deren Wohnung ich mittlerweile verlassen hatte, zu meinem Bedauern ohne mein Klavier!)? Erst einmal gar nicht, denn zunächst muss eine Aufnahmeprüfung bestanden werden, auf die ich mich an einem Technics P50 Stage Piano vorbereitet habe. Das Klavier habe ich dann erst nach bestandener Aufnahmeprüfung für das Lehramt Musik/Deutsch Sek. II/I an der Uni Dortmund eingefordert. Man möchte ja nicht immer zum Üben nach Dortmund fahren. Ob meine Eltern wohl das neue Wohnzimmer nur deshalb kaufen mussten, weil an der Stelle, wo das Klavier stand, nun die Tapete eine andere Färbung hatte? Ich frage besser nicht nach. Acht Semester später hatte ich mein Examen mit Bestnoten in der Tasche, war um eine 1er Facharbeit (natürlich zu einem tontechnischen Thema: Restauration historischer Musikaufnahmen) reicher und ging ins Referendariat. Doch, o weh! NRW hatte plötzlich kein Geld mehr und mag keine Menschen älter als 35 mehr verbeamten. Und ich war 34. Plus ein weiteres Jahr Referendariat (wenn alles gut läuft): 35.
Zombifizierung? Nein danke!
Das Referendariat zeigte mir dann auch wieder einmal, dass es Menschen gibt, die man einfach nicht mag, so sehr man sich auch bemüht: Fachleiter. Diese bemühten sich mit aller Kraft, den Willen der Referendare zu brechen und sie zu willenlosen Zombies des Systems zu machen. Da ich auf Psychoquatsch nicht stehe und der Meinung bin, dass eine Zombifizierung meiner ausdrücklichen Zustimmung bedarf, habe ich diesen Ort des Schreckens lieber wieder nach einem Jahr verlassen. Denn eine Sache habe ich dort nicht gelernt: Wie man guten Unterricht gestaltet. Eine kurze Recherche ergab, dass es auch ohne Verbeamtung und II. Staatsexamen geht. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich ein erstes Vorstellungsgespräch für eine einjährige Vertretungsstelle als Musiklehrer an einer Gesamtschule, die ich schließlich auch angetreten habe. An diese reihte sich eine weitere Anstellung für Musik und Deutsch an einem Gymnasium. Doch irgendwie war Schule plötzlich so ganz anders als ich sie in Erinnerung hatte. Ich weiß jetzt, warum man Lehrer auch Erzieher nennt. Ein Angebot des Lugert Verlags, doch an einem Schulbuch für den Musikunterricht als Autor und Herausgeber mitzuarbeiten, kam mir gerade recht, bot es mir doch die Möglichkeit, von einer anderen Seite aus an “Schule” mitzuarbeiten. Dies führte zu dem Entschluss, dass ich das machen sollte, was ich schon immer im Hinterkopf hatte: mich selbstständig (wie sag ich das nur wieder meiner Mama?). Nun arbeite ich im besten Job der Welt: freiberuflicher Musiker, Autor, Musikproduzent, Musiklehrer…….und Lehrer für Musik an einem privaten Gymnasium. Dieser Geschichte widme ich lieber ein neues Kapitel in meiner Autobiografie. Nur soviel dazu: Das Leben öffnet ständig neue Türen, man muss sich nur aufraffen und durch sie hindurch gehen. Die meiste Zeit arbeite ich von zuhause aus, was allerdings einen Nachteil hat: Mir fehlt eines meiner wichtigsten Argumente für Neuanschaffungen. Keine Sorge, ich habe neue Tricks auf Lager, doch die darf ich hier nicht verraten, meine Frau liest mit. Jedenfalls klingt es doch besser, wenn mein Sohn Colin irgendwann in der Schule erzählen kann “Mein Papa ist Musiker/Autor/Musikproduzent/Musiklehrer”. Und seine Mama ist übrigens “Multimedia Producer”. Wir sind schon cool
An dieser Stelle beende ich die Beschreibung meines nun fast 40jährigen Lebens. Habe ich zuviel versprochen? War doch spannender als der XING Lebenslauf, oder? Solltet ihr immer noch nicht genug von mir haben und nicht mehr länger auf das Erscheinen von “Das Gallaversum – die Autobiografie” warten wollen, lest euch doch durch, was ich sonst noch so mache, zum Beispiel:
Euer Markus
