Parallele Kompression

Jeder Tontechniker und Musikproduzent kennt das Problem: Einem Signal soll mittels Kompression zu einem dichteren Klangbild verholfen werden. Doch schon die Einstellung der „richtigen“ Attack- und Release-Zeiten bereitet Kopfzerbrechen. Während bei wenig perkussiven Signalen mit einer etwas längeren Attack-Zeit das Ziel ohne große Probleme zu erreichen ist, ist das Komprimieren einer Schlagzeug-Gruppe schon schwieriger. Kurze Attack-Zeiten löschen die wichtigen Transienten aus. Längere Attack-Zeiten führen zu Artefakten oder führen dazu, dass zu viele Impulse den Kompressor ungehindert passieren können und der gewünschte Druck durch die Dynamikbegrenzung nicht zustande kommt. Der folgende Beitrag zeigt, wie man mittels paralleler Kompression zu einem besseren Ergebnis gelangt.

Parallele Kompression

Was ist überhaupt unter paralleler Kompression zu verstehen? Der Kompressor gehört zu den so genannten INSERT EFFEKTEN. Das bedeutet, dass er direkt in den Signalweg eingeschleift wird. Ein Hall-Effekt wird hingegen parallel zum Direktsignal hinzugemischt. Das Verhältnis zwischen unbearbeiteten Signal und Effekt sind jederzeit regelbar. Außerdem verhält sich der Effekt-Anteil stets parallel zum Pegel des Direktsignals. Dieses Konzept machen wir uns nun zunutze:

Statt die aufgenommene Schlagzeug-Gruppe direkt durch den Kompressor zu schicken, legen wir in der DAW eine Kopie auf einer benachbarten Spur an. Alternativ kann auch ein BUS, der POST FADER abgegriffen wird, genutzt und der Kompressor dort eingefügt werden.

Der Kompressor selbst darf nun heftig ins Geschehen eingreifen. Je kräftiger die Gain Reduction, desto mehr Dichte können wir später erzeugen. Auf die Transienten muss keine Rücksicht genommen werden, d.h. das Arbeiten mit sehr kurzen Release-Zeiten ist kein Problem.

Im letzten Schritt wird nun die Spur mit dem bearbeiteten Signal der Spur mit der unbearbeiteten Schlagzeug-Gruppe hinzugemischt. Da die für den Schlagzeug-Sound wichtigen Transienten hier nach wie vor enthalten sind, bleibt die Natürlichkeit erhalten und ein „Pumpen“ bleibt aus. Das Resultat ist ein dichter Sound, der sich dennoch gut im Mix durchsetzen kann.

Das Bild zeigt die Wellenform-Darstellung der drei Audio Spuren. Die erste Spur gibt das unbearbeitete Direkt-Signal wieder. Die darunter liegende Spur wurde mit einem Tube Tech CL1B heftig komprimiert, was anhand der Wellenform auch gut zu erkennen ist. Die dritte Spur schließlich ist der Mix aus unbearbeitetem und komprimiertem Signal. Man erkennt deutlich die Anhebung des Durchschnittspegels. Die Transienten sind erhalten geblieben. Der im Originalsignal enthaltene Raum (hört mal auf die Snare!) tritt deutlich hervor und das, ohne ein weiteres Plug-in für den Raum zu nutzen.

Hörbeispiele

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