Common Tones I: Stimmführung für Anfänger

Wer zum ersten Mal ein Lied nach Akkordsymbolen begleitet, ist meistens überfordert. Nicht nur müssen blitzschnell die Akkordtöne präsent sein, die sich hinter den kryptischen Akkordbezeichnungen verstecken. Es muss auch eine gut klingende Stimmführung her. Der klassisch ausgebildete Pianist spielt meistens nach Noten, in denen uns die Arbeit bereits vom Komponisten oder Arrangeur abgenommen wurde. Besonders zur Zeit des Barock galten strenge Stimmführungsregeln, an die sich die Komponisten in der Regel auch gehalten haben. In der populären Musik sind diese Gesetzmäßigkeiten oft wieder außer Kraft gesetzt. Dennoch gibt es einige Regeln zu beachten, wenn unsere Begleitung gut klingen soll.

Common Tones

Betrachten wir zunächst einmal die Dreiklänge in C-Dur (vgl. Abbildung, Klicken zum Vergrößern). Was auffällt ist, dass einige Dreiklänge, im Folgenden Akkorde genannt, sich ein oder zwei Töne teilen. Diese gemeinsamen Töne, auch „Common Tones“ genannt, sind für unsere Begleitung von besonderem Interesse.

 

Es lässt sich Folgendes feststellen:

  • Zu jedem Dur-Akkord gibt es einen Moll-Akkord, der mit diesem zwei Töne gemeinsam hat (die so genannte Moll-Parallele).
  • Zu jedem Dur-Akkord gibt es einen weiteren Dur-Akkord, der mit diesem einen Ton gemeinsam hat.
  • Zu jedem Moll-Akkord gibt es einen weiteren Moll-Akkord, der mit diesem einen Ton gemeinsam hat.
  • Der verminderte Akkord auf der VII. Stufe (B°) teilt sich zwei Töne mit der V. Stufe (G) und der II. Stufe (Dm).

Und nun?

Prinzipiell könnten wir jedes Lied mit den Akkorden in Grundstellung gespielt begleiten. Es wird jedoch sehr unbefriedigend klingen. Jeder Akkord steht für sich selbst und sticht heraus. Außerdem muss die Hand immer unruhig auf der Tastatur hin und her hüpfen, was das Begleiten nicht gerade zu einem Vergnügen macht. Durch das Nutzen von Akkordumkehrungen und der Common Tones schaffen wir Ruhe und „kleben“ die Akkorde zusammen.

 

 

Die Abbildung zeigt die zwei möglichen Umkehrung eines Dreiklangs. Diese Umkehrungen nutzen wir nun geschickt, um Sprünge zu vermeiden. Die Regel lautet:

  • Gleiche Töne bleiben liegen (Common Tones). Es wird immer der kürzeste Weg von einem Akkord zum nächsten gewählt, von den Tönen des Start-Akkords zu den Tönen des Ziel-Akkords.

Die folgende Abbildung gibt weitere Beispiele für falsche und korrekte Stimmführung nach dem Common Tone-Prinzip.

Stimmführung

Spielt möglichst viele Akkord-Kombinationen und wendet dabei die Stimmführung nach dem Common Tone-Prinzip an. Mit etwas Übung wird sich diese Spielweise schnell natürlich anfühlen und automatisiert.

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