Logic Pro X – First Contact


Lange mussten Logic Fans auf ein neues Update warten. Fast vier Jahren sind seit dem letzten großen Update ins Land gegangen und es hatte den Anschein, als hätte Apple das Interesse an der professionellen Musikproduktion verloren. Dass dann plötzlich und ohne große Vorankündigung Logic Pro X im virtuellen Software Shop stehen würde, war selbst für eingefleischte Apple Fans eine große Überraschung. Doch was bringt das neue Audio Flaggschiff von Apple?

Alles neu und doch beim Alten

Zunächst einmal fällt nach dem Start das neue Oberflächen-Design auf. In einem schicken dunklen Grau präsentiert sich das neue Logic Pro X ähnlich wie Final Cut Pro X. Die Transportleiste ist wie bei GarageBand von unten nach oben gewandert. Einige neue Icons sind auch hinzugekommen. Viele davon sind selbst erklären. Dies ist schon mal ein dicker Bonus-Punkt, denn so muss man nicht sofort das Online Manual bemühen. Sehr gut!

Logic Pro X

Die Bibliothek öffnet sich nun nach einem Klick auf das Schubladen Icon auf der linken Seite, nicht mehr wie früher auf der rechten Seite. Auch das ist sehr zu begrüßen. Es hat immer gestört, dass hier von rechts nach links gearbeitet werden musste. Leider befinden sich inkonsequenter Weise die Apple Loops nach wie vor auf der rechten Seite. Schöner wäre es gewesen, wenn alles einheitlich links wäre. Doch gut, diese spielen, wie wir später sehen werden, ohnehin nur noch eine untergeordnete Rolle.

Alles wirkt größer und aufgeräumter. Die erste Vermutung, dass der Workflow gravierend beschleunigt wird, hat sich in zwei Wochen Arbeit mit Logic Pro X sofort bestätigt. Sehr schön sind viele kleine Detail-Verbesserungen. Ein Beispiel: Startet man die Wiedergabe und stoppt sie mitten im Song, ändert sich das Icon des Stop-Buttons zu einem Rücksprung Icon. Zwar gab es diese Möglichkeit früher auch schon (ein zweiter Klick auf den Stop-Button ließ den Abspiel-Cursor zurück auf den Songanfang springen), sie war aber eben nicht offensichtlich. Stattdessen gab es einen gesonderten Button für die Rücksprung-Funktion. Dieser konnte auf diese Weise nun eingespart werden. Das ist nur eines von vielen Details, die bei der täglichen Arbeit sofort auffallen und diese angenehmer gestalten.

Transport und Aktionsleiste

Ein weiteres, sehr sinnvolles Detail: wählt man eine Audio-Spur an, ist oben in der Transportleiste das Tuner-Icon (Stimmgabel-Symbol) aktiv und gestattet es, sofort das Tuner Plug-in zu aktivieren! Kein mühseliges Einschleifen mehr in den Aufnahme-Kanal und Suchen des Plug-ins! Das Stimmgerät steht sofort zur Verfügung.

One – Two – Three – Four

Schon mal in Logic 9 auf Aufnahme geklickt und in diesem Moment festgestellt, dass wieder der Vorzähler in den Metronom-Einstellungen nicht aktiviert war? Also Aufnahme stoppen, Metronom-Einstellungen durch Klicken auf das Metronom-Icon neben der Transport-Leiste auswählen, Einstellungen vornehmen, Fenster schließen, neuer Versuch. Nicht so in Logic Pro X: Neben der Transportleiste gibt es ein Icon, welches treffend „1-2-3-4“ anzeigt und somit signalisiert, dass darüber der Vorzähler aktiviert werden kann. Sehr schön! Keine langen Wege mehr, nur um mal eben einen Vorzähler zu haben.

Ansonsten finden sich auf der rechten Seite noch die Icons für Marker, Notizen, Loops und Medienübersicht. Doch wandern wir noch einmal zurück auf die linke Seite, in der drei weitere Icons bisher unerwähnt blieben:

Smarte Controller

Der Sample-Editor und das Mischpult lassen sich nun über einen Mausklick auf das betreffende Icon einblenden. Shortcut-Hasser wird das freuen. Doch besonders ein Icon, welches ein Poti abbildet, hat es in sich: es ruft die neuen Smart Controls auf. Smart Controls bilden die wichtigsten Funktionen in einem Kanalszug (z. B. der verwendeten Plug-ins) in einer übersichtlichen Oberfläche ab. Diese lässt sich vom Anwender anpassen. So kann man z. B. die Parameter mehrerer Plug-ins gleichzeitig darstellen. Ein Beispiel: für eine Gesangsspur sind ein EQ und ein Compressor in Verwendung. Nach dem Aufrufen der Smart Controls werden die wichtigsten Parameter beider Plug-ins wie in einem Channel Strip gemeinsam dargestellt.

Smart Control

Statt also wie früher die Oberflächen beider Plug-ins einzeln aufzurufen, nur um eben den Theshold des Compressors anzupassen und mal eben die Höhen etwas anzuheben, genügt nun ein Klick auf den Smart Control Button. Übrigens können auch eigene Zuweisungen zu Parametern vorgenommen werden. Warum nicht früher so?

Smart Control Vintage B3

Die alte Symbolleiste ist natürlich weiterhin vorhanden und lässt sich per Icon ein- und ausblenden. Auch hier wurden die Icons überarbeitet und sind nun selbsterklärend.

Innere Werte

Wie sagt man doch so schön? Es sind die inneren Werte, die zählen. Auch bei Logic Pro X. Apple verbannt 32 Bit Plug-ins mit Version 10 aus dem Programm, unterstützt werden nur noch 64 Bit. Eine Bridge existiert nicht. Nun mögen die Ewiggestrigen nörgeln, andere jubeln. Apple war schon immer konsequent, was Änderungen betrifft. So auch bei Logic Pro X. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Apple auf diese Weise stets die Entwickler dazu zwingen konnte, alte Zöpfe endlich abzuschneiden. Das wird auch in diesem Fall nicht anders sein. Für die Anwender bedeutet das allerdings erst einmal, die bisher verwendeten Plug-ins auf 64 Bit Kompatibilität hin zu überprüfen. Das wird längst nicht bei allen Plug-ins der Fall sein. Bis die Entwickler Updates bereit stellen (hoffentlich kostenlos), werden sicher noch einige Wochen vergehen. Es gibt im Netz schon einige Hinweise, wie man einige Plug-ins außerhalb von Logic betreiben und aus Logic Pro X heraus ansteuern kann. Die einzige unterstützte Plug-in Architektur ist und bleibt Core Audio mit den Audio Units (AU). VST/VST3 ignoriert Apple weiterhin, was aber in der Regel kein Problem ist, da die meisten Plug-ins als AU-Version erhältlich sind. Doch gerade so manches kostenlose Plug-in ist nur als VST/VST3 erhältlich (z. B. die Yamaha/Steinberg Goodies, die Yamaha Instrumenten beiliegen).

Viel hat sich sonst nicht verändert. Die Plug-ins und Instrumente sind bis auf wenige Ausnahmen gleich geblieben und haben teilweise nur eine neue Oberfläche erhalten. Wer vorher mit Logic 9 gearbeitet hat, wird also alles weiterhin am angestammten Platz finden.

Instrumente

Logic Pro X arbeitet zwar größtenteils mit den alt bekannten Software-Instrumenten aus Version 9, hat jedoch einige Samples aufgefrischt. Wer Version 9 mit allen zusätzlichen Inhalten komplett installiert hat, muss deshalb bei der Installation lediglich die neuen Samples und Loops herunter laden, was aber immer noch ein ganz schön großer Batzen ist und Nutzer mit einem langsamen Internetzugang nicht freuen dürfte. Leider gibt es keine andere Möglichkeit, an die neuen Samples und Loops zu kommen. Also heißt es entweder abwarten und Tee trinken oder die Leitung über Nacht heiß laufen lassen.

Die Vintage Instrumente wie z. B. EVB3 oder EVP88 kommen nun auch in einem Vintage Gewand daher und wurden marginal überarbeitet. Sie hören auf die Namen Vintag B3, Vintage-E-Piano und Vintage Clav.

Retro Synth: Vier Synthesizer-Klassiker

Neu hingegen ist der Retro Synth, der über gleich vier verschiedene Algorithmen verfügt: Analog, Sync, Table und FM.

Retro

Analog und Sync liefern die klassischen Sounds, die man von analogen Synth-Boliden erwartet. Table ist ein Wavetable-Synth, während FM zwar einem DX7 nicht das Wasser reichen kann, dafür aber durchaus dem einen oder anderen Sound der FM-Generation zumindest nahe kommt.

Die „Analog“ Engine orientiert sich am Design klassischer analoger Boliden. Zwei Oszillatoren bieten mit Reglern für Shape 1 und 2 jeweils Zugriff auf die Wellenformen Rauschen, Sägezahn und Puls. Zwei Drittel des übrigen Regelweges bestimmen stufenlos die Pulsweite. Sehr clever. Schon damit lassen sich unzählige Grundsounds erzeugen. Per Shape Modulation kann die Quelle der Modulation stufenlos zwischen LFO und Filter Envelope geregelt werden. Vibrato ist für die Intensität des gleichnamigen Effekts zuständig, während zwei weitere Regler das Verstimmen der Oszillatoren gegeneinander in Halbtonschritten und Cents ermöglichen. Ein Fader für den Mix aus beiden Oszillatoren darf natürlich auch nicht fehlen.

In der Filter-Sektion stehen acht Filtertypen zur Auswahl. Damit lässt sich arbeiten. Neben vier Low Pass Filtern verschiedener Flankensteilheit (darunter ein mit „LP24 Fat“ betiteltes Preset) stehen die Typen High Pass, Band Pass, Band Reject und Peak zur Verfügung. Band Reject senkt den Bereich um die Cutoff Frequenz ab. Die Breite ist über Resonance regelbar, während Peak das Gegenteil bewirkt, also eine Anhebung der eingestellten Frequenz. Ein „Display“ zeigt die jeweilige Funktionsweise an. Dort stehen auch die beiden Parameter Cutoff und Resonance zur Verfügung.

Filter FM regelt die Modulation der Filter Cutoff Frequenz mit der Sinus-Welle von Oszillator 1. Doch Moment mal? Eine Sinus-Wellenform existiert doch gar nicht? Abwarten! LFO die Modulation durch den Low Frequency Oscillator und Env die Modulation mittels Filter Hüllkurve, die Mittelstellung des Env Potis schaltet die Modulation aus.

Im Amp Modul des Retro Synth kann die Gesamtlautstärke über Volume bestimmt werden. Ein weiteres Poti ist mit Sine Level beschriftet. Nanu? Was hat es damit auf sich? Hier erklärt sich die Funktion von Filter FM, denn Sine Level mischt dem Oszillator 1 eine Sinus Wellenform bei, die allerdings das Filter nicht durchläuft, aber zur Modulation desselben dienen kann.

Die Effekt Sektion umfasst die Effekte Chorus und Flanger, die mittels Mix und Rate Parameter rudimentär angepasst werden können.

Die Modulations-Sektion hat es wieder in sich: Glide und Autobend können die Tonhöhe der Oszillatoren beeinflussen. Zur Auswahl stehen: Oszillator 1+Sine, Oszillator 2, beide Oszillatoren, beide Oszillatoren mit gegensätzlicher Richtung („opposed„) sowie beide Oszillatoren plus Filter. Damit lässt sich so einiges verbiegen.

Die weiteren Bereiche für LFO, Vibrato, Filter Envelope und Amp Envelope bieten dann wieder Standardkost.

Es dürfte klar geworden sein, dass trotz des einfachen Aufbaus schon allein die „Analog“-Sektion des Synths einige Überraschungen bereit hält, die eine klangliche Flexibilität ermöglichen, die man ihm auf den ersten Blick nicht zugetraut hätte.

Die Sync-Sektion des Retro Synth unterscheidet sich kaum von der Analog-Sektion. Hier wird auf die Regler für das Verstimmen der Oszillatoren gegeneinander verzichtet und stattdessen ein Sync-Poti eingeführt, welches den Startpunkt der Wellenformen verschiebt. Aus dem Regler für die Shape Modulation wird ein Regler für Sync Modulation (wieder entweder LFO oder Filter Envelope). In der Mittelposition ist die Modulation ausgeschaltet. Der Sound der Sync Engine ist etwas aggressiver als der Sound der Analog Engine.

Wavetable Sektion des Retro

Richtig interessant ist die Table Engine des Retro Synths. Hier handelt es sich um einen Wavetable Synthesizer mit 100 Wellenformen, die durchfahren werden können. Diese lassen sich getrennt für Oszillator 1 (Shape 1) und 2 (Shape 2) einstellen. Schön wäre an dieser Stelle eine Auswahl per Drop Down Menü gewesen, um zu wissen, was sich hinter den Drehreglern tatsächlich verbirgt. 100 Wellenformen bei so einem geringen Regelweg gezielt anzufahren, ist schlicht unmöglich. Dennoch ergeben sich schnell interessante Sounds und Klangspektren. Eine nette Zugabe zu den Möglichkeiten des Analog-Synths.

FM-Sektion des Retro

Die letzte Abteilung ist die FM-Sektion. Auch hier ist der Aufbau schlicht gehalten. Wie für die Frequenzmodulation üblich, gibt es eine Carrier Wellenform (Sinus) und eine Modulator Wellenform, die per Shape Parameter einstellbar ist. Auch hier hätte man sich ähnlich wie beim Wavetable Synth eine Anzeige der Wellenform gewünscht. Leider Fehlanzeige. Der Mix zwischen Carrier und Modulator ist per Fader einstellbar. FM regelt, etwas irreführend bezeichnet, den Pegel der Carrier Wellenform. Harmonic und Inharmonic regeln ihrem Namen gemäß den harmonischen oder unharmonischen Frequenzanteil der aus der FM-Modulation resultierenden Wellenform. Apple gibt an, dass dies durch eine Verstimmung von Carrier und Modulator zueinander erreicht wird. Dies würde also dem Pitch-Parameter der Yamaha DX Synthesizer in der Oszillator-Sektion entsprechen. Auch beim FM-Synth kann die Modulation durch LFO oder Filter Envelope eingesetzt werden. Sie wirkt, per Schalter zuweisbar, entweder auf den Pegel des Carriers (FM),Harmonic oder beide gemeinsam.

Obwohl der FM-Synth nicht die Komplexität eines Yamaha DX 7 erreicht, ist es wie für FM typisch sehr schwer, zielführend zu arbeiten. Da man nicht so wirklich weiß, was sich hinter den Reglern verbirgt, muss letztendlich per Trial & Error vorgegangen werden. Vielleicht ist das auch der Reiz des Synths, denn wenn man ehrlich ist, ist die Beschäftigung mit der FM-Synthese wirklich eher akademischer Natur. Hier ist also freudiges Herumdrehen und Schieben an den Reglern und Fadern angesant.

Insgesamt ist dieser Synth nicht nur leicht zu bedienen (den FM-Teil mal ausgenommen), was Gelegenheits-Soundschrauber freuen dürfte, sondern bietet auch so ziemlich alles, was man für eine In-the-Box Produktion benötigt. Die gelungenen Oberflächen der vier Synth-Varianten zeigen auch sofort, wer Pate gestanden hat und man fühlt sich irgendwie heimisch.

Der persönliche Rhythmusknecht

Die gewaltigste Neuerung in Logic Pro X hört auf den schlichten Namen „Drummer“ und ist genau das. Wer sich schon immer danach gesehnt hat, einen guten Drummer zur Hand zu haben, der nicht nur das Tempo von Anfang bis Ende beibehält, sondern auch einen guten Groove liefert und immer, wirklich immer, mit dem Bassisten zusammen spielt, wird ihn hier finden.

Drummer

Was sich jetzt etwas ironisch anhört, ist durchaus ernst gemeint: Drummer ist ein vielseitig einsetzbarer Rhythmuslieferant, der sich nach einem auszuwählenden Groove (z. B. einer anderen bereits aufgenommenen Spur) richtet. Ähnlich wie in der GarageBand Version vom iPad lässt sich der Groove dabei von leise zu laut und einfach bis komplex über eine Matrix einstellen. Bass Drum, Snare, HiHat und Percussion lassen sich dabei noch getrennt beeinflussen. Neben erstklassig gesampleten Drum Kits stehen 15 Drummer zur Auswahl, die jeweils mit einem anderen Stil und Sound beeindrucken. So viel Auswahl hat man sonst nie. Die virtuellen Schlagzeuger kommen dabei aus den Stilen Rock, Alternative, Songwriter und R&B. Es sollte also für jeden etwas dabei sein.

Drum Kit Designer

15 Drummer, 15 Drum Kits, die sich vielfältig editieren lassen: Im Drum Kit Designer stehen verschiedene Snares zur Auswahl, ebenso verschiedene Bass Drums, die sich stimmen und dämpfen lassen. Auch bei den Toms lassen sich Stimmung und Dämpfung pro Tom einstellen. Natürlich sind alle Trommeln auch in ihrer Verstärkung getrennt regelbar. Was für die Felle gilt, gilt für die Becken schon lange. Was braucht man mehr? Natürlich stehen alle Drum Sets bei Bedarf an Einzelausgängen bereit.

Das kurze Audio-Demo zeigt die Möglichkeit von Drummer, einem ausgewählten Audio- oder MIDI-Track zu folgen. Der Bass wurde absichtlich nicht quantisiert, um zu zeigen, dass Drummer tatsächlich am Groove des Bassisten „dran“ bleibt.

Und noch ein Demo der „Folgen“-Funktion von Drummer, diesmal ergänzt um einige „Retro“-Sounds. Nach acht Takten folgt „Drummer“ nicht mehr dem E-Bass, sondern dem perkussiven FM-Sound aus „Retro“.

Mehr als nur sechs Saiten

Mussten die Bassisten bisher neidisch zu den Gitarristen mit ihrem Amp Designer schielen, dürfen sich diese nun ebenfalls über ein passendes Design Tool freuen. Hier ist möglich, was das Bassisten-Herz begehrt: drei Amps (Modern, Classic, Flip Top), sechs Boxen-Typen sowie zwei Direct Outs (Pre-Amp/Power-Amp) stehen zur Auswahl. Mehr braucht kein Bassist. Bei den Mikrofonen kann zwischen drei Modellen gewählt werden (Dynamic 20, Dynamic 421, Condenser 87) und diese in ihrer Position vor dem Lautsprecher verändert. Die Bezeichnung der Mikrofone orientiert sich dabei an den realen Vorbildern von EV, Sennheiser und Neumann. Natürlich ist es möglich, zwischen mikrofoniertem Cabinet und DI stufenlos überzublenden.

Bass Amp Designer

Konkurrenz für das Environment

Logic war schon immer berühmt für seine MIDI-Fähigkeiten. Mit dem Environment gab es kaum ein Szenario, welches sich nicht verwirklichen ließ. Leider war das Environment den Fricklern vorbehalten, die gerne virtuelle Strippen ziehen. Mit den neuen MIDI-FX ziehen Arpeggiator, Chord Trigger & Co in einen Mischpult Slot, ähnlich den Plug-in Slots um. Es ist somit ohne Verkabelungsorgie im Environment möglich, MIDI-Effekte zu nutzen. Und es kommt noch besser: wer der Programmiersprache JavaScript mächtig ist, kann mit einem integrierten Editor eigene MIDI-Effekte programmieren.

Scripter

Es ist zu erwarten, dass bald ein reger Tauschhandel im WWW stattfindet, denn die Programme können weiter gegeben werden. Logic baut hier erneut seinen Vorsprung gegenüber anderen DAWs in Bezug auf das Thema MIDI weiter aus. Natürlich gibt es auch das Environment weiterhin („MIDI-Umgebung“).

Was ist sonst noch neu?

Im Mischpult wird nun die Gain Reduction direkt im Kanalzug angezeigt. Oh, wie sehr haben sich die User diese Möglichkeit gewünscht! Alles wirkt aufgeräumter, leichter zugänglich und: stabiler! Ein neuer Ordner Typ (Take-Ordner) sorgt für noch mehr Ordnung und per Ordner sind nun auch komplexe Layer von Instrumenten möglich. Logic macht bereits bei einigen Preset-Sounds davon Gebrauch. Ein neuer Marker-Typ namens Arrangement-Marker hält Einzug in Logic Pro X. Ganze Song-Teile können in ihrer Form (z. B. Strophe, Refrain) benannt und verschoben werden. Eine weitere, wichtige Neuerung ist Flex-Pitch, ein Melodyne verblüffend ähnlicher Tonhöhen-Editor für Audio-Files. Somit schließt Logic Pro X zu Presonus Studio One 2 auf, welches Melodyne integriert hat. Flex-Pitch sieht Melodyne nicht nur verblüffend ähnlich, es funktioniert auch ebenso gut. Einfach einen „Blob“ anfassen und auf die richtige Tonhöhe ziehen – fertig!

Flex Pitch

Ein Stimmton zeigt dabei, wie weit der gewählte „Blob“ von der Zieltonhöhe entfernt ist. Neben der üblichen Anwendung bei Recordings ist Flex-Pitch somit auch das perfekte Übungs-Tool für Sängerinnen und Sänger. Einfach die Übe-Session aufnehmen und im Anschluss schauen, was „flat“ war.

Nicht unerwähnt bleiben soll die neue Remote App, mit der Logic Pro X endlich eine eigene Fernsteuerung für das iPad erhält. Diese funktioniert schnell und zuverlässig und ist weit mehr als eine transportable Transportleiste. Man bekommt Zugriff auf viele Funktionen von Logic inklusive der Smart Controls. Man hat schon etwas das Gefühl, mit GarageBand in seiner iOS Version zu arbeiten, denn tatsächlich ist die Logic Remote optisch wie funktionell daran angelehnt. So kann man sogar die Software Synthesizer nahezu ohne Latenz vom iPad aus spielen. Sounds können ausgewählt und per Smart Control verändert werden. Neben einem Keyboard, stehen Griffbrett und Drum Pads zur Auswahl. Die wichtigsten Tastatur-Kommandos lassen sich vom iPad aus einfach per Druck auf ein mit seiner Funktion benanntes Pad ausführen. Bis hin zum Anlegen neuer Spuren, Aufnahme und Mix ist alles möglich. Und das Beste daran ist: die App ist kostenlos. Vorbei die Zeiten, als man teure Remote Apps von Drittherstellern kaufen musste und eifersüchtig auf Cubase Nutzer war.

In der Praxis

….läuft Logic Pro X sehr stabil und schnell. Die sehr klein wirkenden Veränderungen sind ein Segen für den Workflow. Alles geht schneller. Punkt. Mehr ist dazu nicht zu sagen. Wer eine neue Dimension des Recordings erwartet, wird enttäuscht. Apple erfindet nicht das Rad neu, Apple schafft ein neues Design. Es ist wie mit den Macs: innen sind sie ein PC, doch außen kommen sie dem Anwender sehr weit in seiner Arbeitsweise entgegen und sind dabei noch hübsch anzuschauen. Während allerdings der Mac seinen Preis hat, schlägt Logic alle anderen DAWs um Längen, wenn es um den Verkaufspreis geht. Für knapp 180€ erhält man die Vollversion mit allem, was dazu gehört. Bei anderen DAWs bekommt man für den Preis  noch nicht einmal ein Update. Update ist auch das Stichwort: es gibt nämlich keine Update-Option. Hat man gerade Logic 9 gekauft, muss erneut der komplette Kaufpreis für Version X bezahlt werden. Wer Angst hat, für das Geld nur GarageBand Pro zu erhalten, darf beruhigt sein: Logic bietet alles, was der Profi braucht. Es hat mit GarageBand so viel zu tun wie eine Neve Konsole mit einem Mackie 1604 Pult. Dennoch werden sich GarageBand Aufsteiger auf Anhieb wohl fühlen. Das Handbuch muss selten bemüht werden und alles ist irgendwie logisch. Klingt auch logisch, bei dem Namen 😉

In GarageBand und alten Logic Versionen erstellte Projekte lassen sich übrigens anstandslos öffnen. Es darf also weiter gearbeitet werden. Eine Windows-Version ist nach wie vor nicht im Angebot und wird es wohl auch nicht mehr geben.

Und die neuen Apple Loops? Dazu wurde noch gar nichts gesagt!
Muss man auch nicht, denn irgendwie scheinen diese durch „Drummer“ uninteressant geworden zu sein. Sie sind aber nach wie vor vorhanden und bieten einen riesigen Fundus an Ideen für verschiedenste Instrumente und Stile. Wer also für das Demo auf Apple Loops setzt, wird alles finden, was man braucht. Alle anderen User werden die Loops schnell wieder von der ohnehin meist zu vollen Festplatte verbannen.

Pro
– günstiger Preis
– übersichtliches Design
– Flex Pitch zur Tonhöhenkorrektur
– Drummer
– Retro Synth
– MIDI Plug-ins mit Scripting Möglichkeit
– Smart Tools
– schnellerer Workflow
– läuft sehr stabil
– kostenlose Logic Remote App für das iPad
– Funktionsumfang der Logic Remote

Contra
– keine 32 Bit Unterstützung
– kein VST/VST3
– keine Windows Version
– Update Politik

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